Weichendorf holt sechs Punkte an einem Abend
von Markus Schütz, anpfiff.info
Noch ist die Tabelle beim BFV nicht bereinigt, in Kürze aber wird der SV Weichendorf ganz oben stehen. Wenn nämlich die drei Punkte in die Tabelle eingearbeitet werden, die dem SV Weichendorf zugesprochen wurden, weil Tütschengereuth/Viereth einen nicht spielberechtigten Akteur einsetzte. Ursprünglich ging die Partie mit 0:3 an die SG.
Das war vor der Partie in Ebing aber erst einmal kein Thema für den Kreisliga-Aufsteiger. Trainer Jan Scheibe fehlte – neben Langzeitverletzten wie Hannes Schmidt – der angeschlagene Peter Koch, „ansonsten sind fast alle dabei.“ Das gab dem Weichendorfer Trainer auch die Möglichkeit, zu rotieren: „Ich kann auf die Englische Woche reagieren und durchwechseln. Beispielsweise auf der Außenverteidiger-Position habe ich mit Dippold, Düthorn und Herrmannsdörfer drei gleich starke Akteure, die heute und am Wochenende alle zu ihren Einsätzen kommen.“ Und so war Scheibe optimistisch, aus Ebing etwas Zählbares mitnehmen zu können.
Personell gesehen sah es bei Ebing nicht optimal aus. Nicht nur, dass mit Manuel Meyer seit Monaten und auch weiterhin ein Unterschiedsspieler fehlte, dazu standen auch Zimmermann und Heinecke nicht zur Verfügung. „Aber der Rest ist da, dazu konnten wir uns Gott sei Dank kurzfristig nochmal verstärken.“, sprach er Luis Schneider (FC Eintracht) und Jonas Griebel (TSV Schammelsdorf) an. „Auch, wenn wir gegen Reckendorf Pech hatten und unser zweiter Gegner der Topfavorit Sassanfahrt war, ist in unserer verjüngten Mannschaft natürlich der Druck schon etwas zu spüren. Aber wir wollen jetzt zuhause den Bock umstoßen.“, sagte Meyer vor der Partie.
Weichendorfer Dreierpack kurz vor der Pause
Die Gäste waren von Beginn an aggressiv und spielten mutig nach vorne. Schon nach nicht mal zwei Minuten musste Keeper Fabian Vantaggiato einen Ebinger Rückstand verhindern. Nach einer einstudierten Freistoß-Variante lief Mauricio Alves kurz in den Ball von Luis Lappus, verlängerte ihn aus kurzer Distanz in Richtung Tor, aber der Heimkeeper reagierte stark. Kurz darauf fuhr der Angriff einen starken Angriff über Safrath, Lappus legte per Kopf auf Alves ab, aber der wurde zentral bei seinem Abschluss gerade noch geblockt. Ebing stand tief und lauerte – vor allem über den extrem laufstarken Luis Schneider und Daniel Schmauser – auf Umschaltgelegenheiten. Bei einer Kombi der beiden wurde dann der Neuzugang aus Bamberg ebenfalls im letzten Moment geblockt. Ansonsten prallten viele Angriffsversuche der Ebinger entweder an der starken Defensive der Weichendorfer um Max Pfister ab, der zum einen fast keinen Zweikampf verlor und zum anderen in der Spieleröffnung eine wichtige Rolle beim Gast spielte. Ausnahmen gab es nur bei Standards, einen abgewehrten Freistoß fasste Daniel Schmauser sehenswert per Fallrückzieher ab, aber der Ball ging einen Meter drüber. Dazu versuchte es auch Luis Schneider nochmal aus der Ferne, aber auch dieser Ball ging drüber, so dass Gästetorwart Johannes Pfister keine echte Parade auspacken musste. Weichendorf selbst hielt sein hohes Niveau an Aggressivität gegen den Ball bei, konnte aber selbst aus dieser optischen und spielerischen Überlegenheit lange kein Kapital schlagen. Das änderte sich in den letzten fünf Minuten vor dem Seitenwechsel. Denn bis zur 40. Minuten stand es zwar torlos 0:0 – aber in die Pause nahmen die Rot-Weißen eine Drei-Tore-Führung. Der Dosenöffner in dieser Partie kam für die Gäste durch eine Ecke. Die brachte Carlo Schmitt mit Zug an den Fünfer, Christopher Safrath, der zwar sicher nicht der größte Weichendorfer Akteur ist, hatte das beste Timing, stieg hoch und drückte das Leder mit der Stirn ins lange Eck. In den Schock über den Rückstand bei den Ebingern legte der Gegner sofort einen zweiten Treffer nach. Zwar war die Abwehr der Heimelf gut sortiert und kam gegen Mauricio Alves im Sechzehner auch in den Zweikampf. Aber Neuzugang von Don Bosco 2 blieb in der Aktion, reagierte auf den Abpraller gedankenschnell und servierte den Ball Finn Gittel auf den Fuß – und der überwand Fabian Vantaggiato aus etwas zehn Metern. Aber damit nicht genug. Weichendorf legte ein weiteres Mal nach. Und wie: Dominik Wölfert bewies sein feines Füßchen, indem er den Platz, den er 20 Meter vor dem Tor bekam, nutzte und das Leder sehenswert ins lange Dreieck setzte. Ein starker Treffer, der in dem Moment für den neutralen Zuschauer schon wie eine Vorentscheidung anmutete. Weil Weichendorf bislang einfach zu kompakt auftrat, als man den Ebingern drei Treffer in Halbzeit zwei hätte zutrauen können. Zumal sie nicht ihren besten Tag erwischt hatten, fehleranfällig waren und bei Ballgewinnen oder bei Umschaltaktionen nicht mit letzter Konsequenz nachrückten. So dass Luis Schneider und mit Abstrichen auch Daniel Schmauser bei ihren Aktionen nach vorne zu wenig Unterstützung bekamen und sich immer gegen eine Überzahl des Gegners am Ball behaupten mussten.
Ebing anfangs aktiver – Weichendorf setzt Todesstoß
Das wussten die Gastgeber auch und kamen aktiver aus der Pause. Sie hatten bei eigenem Ballbesitz mehr Akteure in der gegnerischen Hälfte und konnten so dann auch mal dort für Ballbesitz sorgen. Und sie hatten die dickste Chance bisher, als Schneider stark auf Lorenzo Kraft durchsteckte, aber zum einen vergab er freistehend – zum anderen stand er minimal im Abseits. In dieser Phase ließen die Weichendorfer den Gegner bewusst kommen und lauerten nun ihrerseits – wenig überraschend bei dem Spielstand – auf Konter. Schließlich, das wussten beide Teams, würde ein vierter Treffer Restzweifel an einem Auswärtssieg beseitigen. Zunächst lief der SVW zwei Mal ins Abseits, aber dann war er bei seinen schnellen Gegenstößen weiterhin die deutlich gefährlichere Mannschaft. Zunächst grätschte Max Pfister am Fünfer in einen Schmitt-Freistoß und verpasste das Tor nur knapp, dann beendete Fabian Vantaggiato eine dribbelstarke Aktion von Mauricio Alves mit anschließendem Abschluss mit einer reaktionsschnellen Fußabwehr. Und schließlich setzte Luis Lappus einen Abpraller aus zehn Metern über die Querlatte. Das Zwischenfazit in Durchgang zwei lautete damit: Weichendorf stoppte schnell das Ebinger Aufbäumen, ließ in der Folge kaum mehr etwas zu – und war selbst immer wieder gefährlich. Und konnte von der Bank stark nachlegen: So unter anderem Benjamin Gössl, der nach seiner schweren Verletzung wieder aufgebaut wird und immer besser rein kommt. Oder eben auch Gustav Sellmann. Der kam nämlich nach etwas mehr als einer Stunde aufs Feld – und traf gleich zwei Mal. Bei seinem ersten Treffer wurde auf Lücke geschickt und vollendete flach. Und bei seinem 0:5 vergoldete er aus kurzer Distanz die starke Vorarbeit von Mauricio Alves über die rechte Seite. Aber damit nicht genug in der natürlich längst endgültig entschiedenen Partie gab Weichendorf noch immer nicht nach und schließlich belohnte sich Mauricio Alves für seine starke Leistung mit dem sechsten Weichendorfer Treffe. Bei diesem Spielstand blieb es und Weichendorf nahm völlig verdient die drei Punkte auf dem Feld – und weil kurz nach Spielschluss das Urteil kam auch weitere drei Punkte mit heim nach Weichendorf.
Kompakt, aggressiv und Spielstark
Gegen die von der ersten Minute an wachen, laufstarken und motivierten Weichendorfer hatte der Gastgeber nur in wenigen Phasen des Spiels etwas entgegen zu setzen. Aus Sicht der Ebinger liegt das natürlich immer auch am Gegner, aber es lag sicher auch daran, dass das, was die SpVgg an diesem Tag abgerufen hat, einfach zu wenig war.
Weichendorf dagegen verfügt über eine starke zentrale Achse, beginnend mit dem sicheren und mitspielenden Keeper Johannes Pfister über den enorm zweikampfstarken und mit Übersicht agierenden Innenverteidiger Max Pfister, im Zentrum über den erfahrenen und umtriebigen Carlo Schmitt und vorne über einen dribbelstarken Mauricio Alves. Aber damit nicht genug: Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung auf hohem Niveau, bei Weichendorf spielte jeder Akteur bei Ballbesitz nach vorne, laufstark wurde nachgeschoben – und bei Ballverlust ging es sofort aggressiv in die Rückeroberung. Ein richtig guter Auftritt, der mit einem zu Null auf der einen und einem halben Dutzend Treffern auf der anderen Seite belohnt wurde.

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