Pünktlich zum Kirchweih-Spitzenspiel hörte der Dauerregen auf und lockte den ein oder anderen Zuschauer zum Aufeinandertreffen des Tabellendritten gegen den Vierten. Und keiner musste sein Kommen bereuen, denn die beiden Teams Teams boten über die gesamte Spielzeit Vollgasfussball.
Auf Weichendorfer Seite mussten Max Pfister und Dominik Wölfert kurzfristig, krankheitsbedingt passen und gesellten sich zu den verletzten Schmidt, Sönning und Gössl. Der beste Weichendorfer Scorer Alves weilte in Hamburg, sodass SVW Coach die Mannschaft in allen Teilen neu formieren musste und gelassen in die Partie ging. Da die Gastgeber bisher zuhause noch verlustpunktfrei waren, haben wir überhaupt nichts zu verlieren, war das Motto.
Abtasten? Ein Fremdwort für die beiden Mannschaften. Kim Hümmer eröffnete den beidseitigen Chanchenreigen in der 6. Minute, indem er die Kugel knapp am rechten Pfosten vorbei schob. In der 11. Minute konnte der durchgebrochene Julian Kraus am rechten Flügen nur noch gefoult werden und es gab den fälligen Freistoß und Gelb für Schäfer. Der „Kunstschütze“ auf Weichendorfer Seite heißt Carlo Schmitt, das sollte sich auch bis nach Tütschengereuth rumgesprochen haben. Sein Freistoß flog durch Freund und Feind und schlug unberührt im linken Eck, zum 0:1 ein. Nur fünf Minuten später der Ausgleich. Nach einem Befreiungsschlag setzte sich Lukas Wernsdorfer beherzt im Mittelfeld durch und brachte Kim Hümmer in Position, der zum 1:1 einschoss.
Weiter gings – 26. Minute, diesmal wurde der SVW Kapitän Christopher Safrath auf der rechten Seite freigespielt. SG Co-Trainer Schäfer kam angerausch, spielte viel Ball, aber auch Gegner. Sein zweites Foulspiel reichte dem Unparteiischen, um ihn mit Gelb Rot vom Platz zu stellen. Eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Nur drei Minuten nach dem Platzverweis der nächste Aufreger. Eine Freistoßflanke von Carlo Schmitt wurde zunächst geklärt, flog aber postwendend wieder in den Strafraum. Da stand Christopher Safrath mutterseelen alleine, nahm die Kugel runter und wurde von Lukas Wernsdorfer von den Beinen geholt. Den fälligen Elfmeter verwandelte Luis Lappus humorlos in den linken Winkel und der SVW führte erneut.
Das die Hausherren dezimiert waren machte sich in der Folgezeit nicht bemerkbar. Die 10 SG Mannen rannten, kämpfen um jeden Meter, um jeden Ball und hatten eine hohe Intensität. Als alle auf den Halbzeitpfiff warteten fiel das 2:2. Hümmer über die rechte Seite fand Felix Reus ca. 25 Meter vor dem Tor und der bugsierte das Spielgerät sehenswert und unhaltbar aus der Distanz ins linke Eck. Und immer noch war nicht Schluss in dieser ersten Hälfte, es gab nochmal Eckball für die Hausherren. Carvajal brachte die Ecke auf den zweiten Pfosten, dort nahm Kim Hümmer den Ball volley. Er traf ihn zwar nicht richtig, deshalb wurde es ein fieser Abschluss, denn der Aufsetzer schlug gegen den Querbalken und den Abpraller versenkte Oli Kratz dann aus kurzer Distanz zur 3:2 Führung. Was für ein erster Durchgang.
Auch die zweite Hälfte brauchte keine große Anlaufzeit und begann mal wieder mit einem Freistoß von Carlo Schmitt. Fast eine Kopie zum 0:1, denn das Leder flog wieder durch die gesamte Abwehr, nur konnte diesmal Heimkeeper Gast gerade noch klären. Nach einer Stunde hatte der SVW den Ausgleichstreffer gleich doppelt auf dem Schlappen. Zunächst scheiterte der Versuch von Julian Kraus und der Nachschuss von Peter Koch wurde zur Ecke abgefälscht. Besser machten es die Gastgeber im Gegenzug. Der überragende Hümmer setzte sich durch und zog ab, am zweiten Pfosten rauschte der kurz zuvor eingewechselte Kreißig an und drückte zum 4:2 ein. Schwer zu entscheiden, eventuell stand Kreißig dabei im Abseits, aber der Treffer zählte.
Aber der SVW brauchte nur fünf Minuten um wieder zurückzuschlagen. Der Angriff lief über die rechte Seite, Paul Hermannsdorfer mit starker Flanke und der durchgelaufene Luis Lappus verkürzte wieder auf 4:3. Eine Viertelstunde war noch auf der Uhr. Nik Düthorn trieb das Leder von hinten heraus, umkurvte Oliver Kratz in Höhe der Mittellinie und wurde von ihm zu Fall gebracht. Auch Kratz war schon gelb vorbelastet und musste mit Gelb/Rot vom Feld. Weichendorf nun mit 11 gegen 9, aber irgendwie war das mittlerweile Wurst, wer gegen wieviel spielen, es ging wild hin und her. Die nächste knifflige Szene, ein Freistoß getreten von wem? Ja, Hümmer brachte den Ball nach innen und Lukas Wernsdorfer schoss zum vermeindlichen 5:3 ein, doch ein Abseitspfiff ertönte. Warum ist schwer nachzuvollziehen und im Gegesatz zum vierten Treffer hatte der SV Weichendorf hier eher Glück das auf Abseits entschieden wurde.
Wir sind in der 83. Spielminute, als der starke Luis Lappus aus ca. 22 Metern abzog, sein Aufsetzer schlug gegen den rechten Pfosten und der eingewechselte Jannis Vater staubte zum 4:4 ab. Punkt – Sieg – Niederlage, alles war möglich in diesem Mega Schlagabtausch. In der Schlussminute klärte SVW Keeper Johannes Pfister 20 Meter vor seinem Tor und im Anschluss blockten seine Mitspieler die Versuche der Tütschengereuther mit leidenschaftlichen Einsatz.
Aber den letzten Pfeil hatten die Weichendorfer im Köcher. Jannis Vater kam 25 Meter vor dem Tor an den Ball, drehte nach links auf und schlenzte Richtung linkes Toreck. Keeper Gast flog umsonst, der Ball klatschte an den Innenpfosten und blieb, aus Weichendorfer Sicht, vor der Torlinie.
Dies war es dann auch in diesem tollen Fussballspiel. Kompliment an beide Mannschaften, die alle Tugenden des Sports auf den Platz brachten und die Zuchauer bestens unterhielten. Kompliment auch an das starke Schiedsrichterteam, die in dieser intensiven Partie, bis auf ganz wenige Ausnahmen, mit ihren Entscheidungen nahezu immer richtig lagen und vor allem im Auftreten und Ansprache auf dem Platz überzeugen konnten.
Letztendlich kam man von einem gerechten Unentschieden sprechen und noch das ein oder andere Kirchweihbier miteinander trinken.
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