Last-Minute-Schmitt zum Ausgleich

Vor 350 Zuschauern führte der SV Merkendorf nach einem Tor von Spielführer Jan Pfister bis in die letzte Sekunde des Derbys gegen den SV Weichendorf knapp aber verdient. Dann packte Carlo Schmitt einen Kunstschuss fast von der Mittellinie aus und sicherte so seinem Team noch einen – schon alleine aufgrund des Zeitpunkts – glücklichen Punkt.

Aus Merkendorf berichtet Markus Schütz

Beide Teams konnten zwar nicht ganz aus dem Vollen schöpfen, waren aber gut aufgestellt, um das Nachbarschaftsderby erfolgreich zu bestreiten. Auch, wenn Weichendorf tabellarisch ein paar Plätze weiter oben steht, war eine enge Partie zu erwarten. „Wir wissen um die Schwere der Aufgabe, der SV Weichendorf spielt eine hervorragende Saison bisher.“, sagte SVM-Spielertrainer Stefan Grasser vor der Partie. „Aber es ist Derby-Time, da werden wir alles reinwerfen, was wir haben, um etwas Zählbares zuhause zu behalten.“, zeigte er sich ebenso kämpferisch wie Weichendorfs Trainer Jan Scheibe, der „nach den Unentschieden zuletzt endlich hier einmal gewinnen“ wollte: „Ich denke, dass der SV Weichendorf noch nie so stark war, wie im Moment. Deshalb sind gehen wir zum ersten Mal leicht favorisiert in die Partie. Und mit breiter Brust – obwohl wir wissen, dass es hier in Merkendorf alles andere als leicht wird.“

Torloser erster Durchgang

Beide Mannschaften starteten vorsichtig in dieses Nachbarschaftsderby. Das Hauptaugenmerk lag darauf, erst einmal in der Defensive gut zu stehen und nichts zuzulassen. Und so waren die ersten Minuten das, was man gemeinhin als Abtasten bezeichnet. Torraumszenen gab es lange keine, die erste Annäherung in Richtung gegnerisches Tor hatten dann die Merkendorfer nach einem schönen Spielvortrag über fünf, sechs Stationen aus der eigenen Hälfte. Aber der Abschluss von Rabbie Khalil wurde von einem Weichendorfer Abwehrbein zur Ecke geklärt. Der SV Weichendorf stand phasenweise zwar recht hoch, ging aber nicht energisch ins Anlaufen über, so dass es die gewollten frühen Ballgewinne nicht gab. Den ersten Torschuss für die Gäste gab Carlo Schmitt ab, aber auch er wurde noch entscheidend geblockt, so dass Julian Krapp keine Probleme hatte, den Ball zu entschärfen. Und so fand das Spiel zumeist im Mittelfeld statt, Höhepunkte waren eher dünn gesät. Den nächsten nennenswerten davon gab es in der 22. Minute, als Weichendorfs Keeper Johannes Pfister bei einem Klärungsversuch seinen Sechzehner verließ, der Ball nach einem Pressschlag aber Rabbie Khalil vor die Füße fiel. Der versuchte es mit einem Heber, aber Max Pfister eilte zurück und klärte am Fünfer per Kopf. Ansonsten aber taten sich beide Mannschaften schwer, die jeweils andere in Verlegenheit zu bringen. Zum einen, weil die Risikobereitschaft und das mutige Nachrücken bei Ballgewinnen weiterhin überschaubar blieben, aber auch, weil beide Teams ihre Offensiven zu wenig trafen. Viele Flugbälle in die Spitze waren, gerade bei den Weichendorfern, sehr ungenau oder einfach zu lang. Aber auch den Merkendorfern fehlte die Durchschlagskraft, so dass beide Keeper eine Halbzeit lang keine Parade zeigen mussten. Auch nicht in der 37. Minute, als es Rabbie Khalil von knapp außerhalb des Sechzehners versuchte. Sein strammer Schuss ging allerdings knapp über die Querlatte des Weichendorfer Tores.

Merkendorf verdient sich Führung – Weichendorf gleicht spät aus

In den ersten Minuten nach Wiederbeginn änderte sich wenig, das Geschehen blieb weiterhin ziemlich zerrissen. Weichendorf machte trotzdem einen etwas lebendigeren Eindruck als noch vor der Pause, ohne allerdings groß Akzente setzen zu können. Aber der SV Merkendorf biss sich im Laufe der ersten Viertelstunde ebenfalls besser in die Partie und ging nach einer Stunde tatsächlich in Führung – durch den ersten Abschluss, der aufs Tor kam. Marcel Dotterweich setzte seinen Körper im Zweikampf robust ein, eroberte sich den Ball und steckte auf Jan Pfister durch. Im Fallen kam er noch zum Abschluss und setzte den Ball aus zwölf Metern über Keeper Johannes Pfister in die Maschen. Großer Jubel bei der Heimelf über den Führungstreffer. In der Folgezeit verdienten sich die Merkendorfer diese Führung dann auch, weil sie besser, engagierter und zweikampfstärker waren. Und sie hatten nach vorne nun deutlich mehr Zug. Pech hatten sie dann, als Ibrahim Al Amoori einen starken Bäuerlein-Freistoß per Kopf abnahm, aber der Ball ging knapp am kurzen Pfosten vorbei. Wenn gegen Weichendorfer, die nach dem Gegentreffer ein wenig in Schockstarre verfielen, ein zweiter Treffer gelungen wäre, wäre die Partie an diesem Tag wohl vorentschieden gewesen. Aber dieser zweite Treffer gelang nicht, obwohl es nach der Führung mehr Räume gab. Und obwohl sich Merkendorf in seiner besten Phase des Spiels befand, wurden diese Gleich- oder sogar Überzahlsituationen nicht konsequent zu Ende gespielt. Und so erholten sich die Weichendorfer in Richtung Schlussviertelstunde wieder und gingen nun noch mehr Risiko. Aber der Schuss des eingewechselten Gustav Sellmann ging drüber und der als gefährlicher Aufsetzer getretene Feistoß von Mauricio Alves war im Nachfassen eine Beute von SVM-Keeper Julian Krapp. So kam das Spielende immer näher und als man dachte, die Weichendorfer könnten das Tor der Heimelf nicht mehr ernsthaft in Gefahr bringen, da packte Carlo Schmitt in der Nachspielzeit – und kurz nach der Mittellinie – einen Fernschuss aus, der lang und immer länger wurde, an den linken Innenpfosten prallte, kurz wieder rausschaute – aber dann doch über die Linie des Merkendorfer Tores ging. Großer Jubel bei den Weichendorfern, die den Schützen unter sich begruben. In der Aktion vor diesem Tor reklamierten die Gastgeber beim Ballgewinn von Schmitt zwar auf Foulspiel, allerdings ließ Schiri Tsatsios gemäß seiner Linie hier ebenso weiterlaufen, wie in der Aktion vor dem Merkendorfer Treffer. Der Referee pfiff die Partie nach dieser Aktion gar nicht mehr an.

Glücklicher Punktgewinn für Weichendorf

Nicht nur, weil der Treffer so spät und aus großer Distanz fiel, war der Punktgewinn glücklich für die Weichendorfer. „Wir sind hier leicht favorisiert, wenn wir unsere Qualitäten auf den Platz bringen.“, sagte Gäste-Trainer Jan Scheibe vor der Partie. Was das Spiel mit Ball betrifft, war das viel zu selten der Fall, defensiv stand der SVW ordentlich und ließ lange Zeit keine echten Chancen des Gegners zu. Für die Merkendorfer fühlte sich ihr Punkt nach Abpfiff verständlicher Weise weniger wertig an als der für die Weichendorfer. Zum einen natürlich, weil das Gegentor zum spätest möglichen Zeitpunkt fiel. Zum anderen aber auch, weil der SV Merkendorf defensiv richtig gut stand und in der eigenen Hälfte gut gegen den Ball arbeitete und vor allem, weil er rund um seinen eigenen Treffer nach einer Stunde für ca. eine Viertelstunde oder 20 Minuten die aktivere und dadurch überlegene Mannschaft war.