Rasanter Fight mit viel Tempo

von Markus Schütz | anpfiff.info

Vor 250 Zuschauern gönnten sich die beiden Kontrahenten gegenseitig wenig Raum – und kaum Verschnaufpausen. Viel Einsatz, Kampf und Tempo, sechs Tore und einiges an Aufregung. Der neutrale Betrachter kam absolut auf seine Kosten. Weil sie ihren Vorsprung auf Würgau hielten, konnten die Weichendorfer am Ende mit dem Punkt besser leben. Max Strohmer (Würgau) und Hannes Schmidt (Weichendorf) trafen jeweils doppelt.

Die Ausgangslage war klar: Bei fünf Zählern Rückstand auf Relegationsinhaber Weichendorf zählte für die Heimelf nur ein Sieg. Allerdings waren auch an diesem Wochenende die personellen Voraussetzungen nicht die Besten: Mit unter anderem Fabian Neuß, Kapitän Johannes Ruffer und Keeper Lukas Pitterich fehlten den Würgauern wichtige Akteure. „Unsere Verletztenmisere wird eher schlimmer.“, sagte Trainer Stefan Sperber. „Aber das soll keine Ausrede sein, wir haben eine wehrhafte Truppe auf dem Platz. Jedes Spiel muss erst einmal gespielt werden.“

Bei Weichendorf sah es personell besser aus, allerdings musste auch Jan Scheibe mit Johannes Pfister auf den zuletzt sehr sicheren Rückhalt im Tor verzichten. Der Weichendorfer Trainer wollte sich mit seiner Ausrichtung dem doch recht unebenen Platz anpassen und das Mittelfeld-Spiel hinten anstellen. „Wir wollen den Flow der letzten Wochen mitnehmen“, sprach er die fünf Siege ohne Gegentor nach dem Winter an „und wollen hier zumindest nicht verlieren.“ Schließlich würde ein Remis noch einen Ausrutscher in den letzten vier Partien erlauben, ohne dass Würgau oder Hollfeld gleichziehen könnten.

Würgau mit effektivem Beginn

Fast hätten die Würgauer einen Traumstart hingelegt. Gegen noch unsortierte Weichendorfer war plötzlich Jannik Hartmann über links frei und zog sofort ab, aber Keeper Noah Suarez war zur Stelle und blockte. Aber auch das erste Weichendorfer Ausrufezeichen ließ nicht lange auf sich warten, nach einem schönen Angriff verfehlte Luis Lappus das kurze Eck nur knapp. Und so ging es früh in dieser Partie hin und her, beide Mannschaften überbrückten schnell das Mittelfeld und hatten sofort den Vorwärtsgang eingelegt. So auch in der sechsten Spielminute, als Max Strohmer über rechts zur Grundlinie strebte und nach der Grätsche von Lars Dippold zu Fall kam. Der Weichendorfer traf seinen Gegenspieler und die Gäste konnten froh sein, dass es nicht schon früh Strafstoß für die Heimelf gab. Die stand kompakt in der Defensive und lauerte immer wieder auf Umschaltsituationen. Viele davon gab es zwar nicht, aber die, die es gab, hatten es in sich. Eine davon führte in der 21. Minute zur Führung für die Gastgeber. Kevin Düthorn steckte sofort durch auf Max Strohmer, der tauchte frei vor dem gegnerischen Tor auf und schob flach zum 1:0 ein. Insgesamt hatte der SV Weichendorf einen Tick mehr Ballbesitz, aber die Würgauer arbeiteten mit viel Aufwand gegen den Ball, machten die Räume in der eigenen Hälfte eng und kamen immer wieder gut in die Zweikämpfe. Und sie waren effektiv. Diesmal per Standard. Christian Schwab brachte einen Freistoß mit viel Zug zum Tor, Marius Hemmer lief wuchtig ein und ließ das Leder über die Stirn ins lange Eck abtropfen. Nach etwas mehr als einer halben Stunde führten die Würgauer also mit 2:0. Oder anders gesagt: In einem ausgeglichenen Spiel liefen die Weichendorfer plötzlich einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher. Jetzt aber entwickelten sie auch mehr Gefahr vor dem Gehäuse. Denn im ersten Angriff nach dem zweiten Tor musste sich Timo Merklein lang machen, um einen Fernschuss zur Ecke zu lenken. Bei dieser musste er dann gegen Peter Koch per Fußabwehr klären und bei einer weiteren Eckstoß-Flanke kam Peter Koch zum Kopfball – setzte den aber denkbar knapp am langen Pfosten vorbei. Würgau wollte nun sichtlich in die Pause kommen, wurde etwas passiv und musste nun viel defensiv reagieren. Ganz schafften sie es aber nicht ohne Gegentor in die Kabinen. Denn nach einem starken Flugball von Nicolas Düthorn verarbeitete Christopher Safrath das Zuspiel stark und setzte das Leder sehenswert aus etwa 15 Metern ins lange Eck. Dann ging es in bei mittlerweile starkem Regen in die Pause.

Weichendorf dreht Spiel – Würgau kann nochmal antworten

Würgau blieb auch nach der Pause tiefer, hatte bei einem Konter durch Max Strohmer die erste Chance, aber er zielte aus 22 Metern einen Tick zu hoch. Nach nicht ganz einer Stunde ging es dann quasi bei Null los, denn die Weichendorfer egalisierten. Und zwar per Strafstoß, den es gab, als Finn Gittel im Laufduell einen Drücker bekam, zu Fall kam und der Pfiff ertönte. Hannes Schmidt trat an, scheiterte im ersten Anlauf aber an Timo Merklein – aber der Ball prallte raus und Schmidt setzte nach und verwandelte zum Ausgleich. Mit dem belohnte sich der Gast dafür, dass er in dieser Phase Druck machte. Aber damit nicht genug, Weichendorf wollte mehr und bekam mehr: Hannes Schmidt zog aus der Distanz einfach mal ab, auf dem nassen Boden wurde der Ball immer schneller – und Keeper Merklein rutschte beim Abdrücken weg. Und so zischte das Leder flach zur Weichendorfer Führung ins Netz. Es ging rasant weiter in dieser Phase nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit. Und jetzt waren wieder die Würgauer dran, zu reagieren. Und das taten sie in Person von Max Strohmer. Über die rechte Seite angespielt, blieb er cool, zog auf, legte sich den Ball auf den linken Fuß und setzte ihn aus 14 Metern unhaltbar ins lange Eck: 3:3. Nach seinem ersten Saisontor erzielte der 21-Jährige im gleichen Spiel auch noch sein zweites. Darüber hinaus war es zwischen den beiden Teams ein Hauen und Stechen auf engem Raum, immer wieder Zweikämpfe, Fouls und immer weiter steigende Verbissenheit. Schiri Matthias Kraus fand dabei nicht immer das richtige Maß und hätte die Akteure einbremsen können, wenn nicht müssen. Für den Zuschauer blieb es weiterhin spannend und abwechslungsreich. Und so fighteten sich beide Mannschaften in Richtung Endphase. Weichendorf musste nicht mehr unbedingt, denn der Punkt half den Gästen mehr als der Heimelf. Würgau versuchte mit Nachdruck, noch einen weiteren Treffer zu erzielen. Hochkarätige Chancen sollte es aber nicht mehr geben. Dafür hatten die Weichendorfer noch zwei Mal die Gelegenheit, den Lucky Punch zu setzen. Und zwar jeweils durch Luis Lappus, der nach Flanken von rechts zum Kopfball kam. Das erste Mal verfehlte er das lange Eck nur knapp, beim zweiten Mal – da lief schon die 90. Minute – schloss er zu zentral ab, so dass Timo Merklein reagieren und klären konnte. In der Nachspielzeit passierte sportlich gesehen nicht mehr viel. Dafür knallte Janneck Bauer nach einem wuchtigen Weichendorfer Körpereinsatz in die Bande – und blieb verletzt liegen. Rund herum bildete sich eine Menschentraube, in die entstandene Aufregung hinein pfiff der Schiedsrichter die Partie ab.

Weichendorf kann mit dem Punkt besser leben

Alle Beteiligten boten den Zuschauern einen kurzweiligen und interessanten Nachmittag. Beide Mannschaften waren taktisch gut eingestellt, arbeiteten im Verbund zusammen gegen den Ball und betrieben viel Aufwand mit und ohne Ball. Das Spiel hatte in dieser Hinsicht keinen Leerlauf, permanent wurde um jeden Zentimeter und jeden Ball gekämpft. Der Einsatz aller Akteure war klasse. Die Weichendorfer zeigten nach dem Rückstand Moral, wichtig natürlich der Treffer kurz vor der Pause. Sie verdienten sich dadurch ihren Punkt, mit ein wenig Glück wären es drei geworden, denn die letzten beiden Chancen gehörten ihnen. Aber auch Würgau zeigte seinerseits Moral. Erst einmal dadurch, die ganzen Ausfälle als Mannschaft wegzustecken und so dagegenzuhalten. Und dann durch die Antwort auf die drei Tore der Weichendorfer, die das Spiel zwischenzeitlich komplett drehten. Die Heimelf haderte mit den Schiedsrichterentscheidungen – nicht nur bei dem gegebenen Elfer gegen sich, sondern auch dem möglichen, nicht gegebenen ganz zu Beginn. Unabhängig davon mutet die Punkteteilung wie ein gerechtes Ergebnis an.