Weichendorf verdient eine Runde weiter

von Markus Schütz | anpiff.info

Vor fast 1200 Zuschauern setzte sich der SV Weichendorf auf dem Sportgelände des SC Kemmern deutlich gegen den TSV Kleukheim durch und trifft in der nächsten Runde am Donnerstag auf Vorra/Stappenbach. Der SVW zeigte eine
geschlossene Mannschaftsleistung und zog dem TSV nicht zuletzt durch seine Körperlichkeit und seine Aggressivität gegen den Ball den Zahn.

In dieses Duell der Kreisklassen-Zweiten ging der SV Weichendorf leicht favorisiert. Schließlich steckten den Kleukheimern zum einen zwei schwere Spiele gegen Mürsbach, das jüngste davon über 120 Minuten, in den Knochen. Zudem fehlten mit Weber, Lieb und Tim Hammel weiterhin wichtige Akteure. Letzterer saß nach seiner Verletzung zumindest aber auf der Bank.
Weichendorf dagegen konnte aus dem Vollen schöpfen. Auf der Bank nicht zuletzt auch Dominik Wölfert, Rückkehrer aus Strullendorf. Auf Seiten des SVW war in Abwesenheit von Coach Jan Scheibe Benjamin Stumpf verantwortlich.
Von der Bedeutung der Partie her sah es so aus, dass der Verlierer sicher Kreisklassist bleiben würde. Der Sieger geht erst einmal eine Runde weiter und trifft am Donnerstag auf Vorra/Stappenbach (18.15 Uhr in Pettstadt). Dieses Spiel
könnte dann schon entscheidend sein, wenn es zwei freie Plätze in der Kreisliga
geben sollte – und die gibt es, wenn Rattelsdorf die Bezirksliga hält.

Drei Tore in der ersten Viertelstunde
Abtasten war ein Fremdwort für die beiden Teams, die sofort mit offenem Visier ans Werk gingen. Und schon nach zwei Minuten musste der Weichendorfer Keeper Johannes Pfister eingreifen. Als ihn von halbrechts der von Kevin Popp eingesetzte Jonah Wagner prüfte. Nicht viel später ging allerdings der KK2-Zweite in Führung. Ausgangspunkt war ein perfekt als Flugball getretener Freistoß von Carlo Schmitt aus der eigenen Hälfte in den Lauf von Christopher Safrath, der nahm den Ball
gegen die Laufrichtung seines Gegenspielers an und steckte ihn vorbei an Keeper Dietmar Schmuck in die Maschen. Stark gemacht von Vorbereiter und Schütze.
Lange allerdings währte die Freude auf Seiten der Weichendorfer nicht, denn nur vier Minuten später stand es 1:1. Weil nämlich Kevin Popp am kurzen Fünfereck in eine Schmuck-Ecke einlief und das Leder über den Scheitel ins lange Eck abtropfen ließ. Aber weiter ging es im Ping-Pong-Stil. Diesmal war der Abstand von einem aufs nächste Tor noch kürzer. Peter Hecht schaltete nach einem Freistoßpfiff in der eigenen Hälfte am schnellsten und setzte über Umwege Luis Lappus sein, der zog in Richtung Tor und setzte das Leder trocken und unhaltbar volley zur erneuten SVW-Führung ins lange Eck. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht einmal eine Viertelstunde gespielt. In diesem Tempo konnte es eigentlich nicht weitergehen, das wäre bei den abends noch immer ziemlich heißen Temperaturen auch nicht normal gewesen. Aber Weichendorf blieb das aktivere und torgefährlichere Team. Zunächst prüfte Luis Lappus Dietmar Schmuck, dann setzte Peter Koch per Kopf nach einem Eckball zu hoch. Wichtig aus Weichendorfer Sicht vor allem aber, dass die defensive Ordnung längst gefunden und dem Gegner kaum Chancen zugestanden wurden.
Einen zwar noch nicht entscheidenden, aber großen Schritt machte der SV Weichendorf dann in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs. Und hatte beim 3:1 das notwendige Spielglück, von dem man immer spricht. Denn eine Ecke von Carlo Schmitt klärte Keeper Dietmar Schmuck in Richtung Sechzehner-Linie, wo Maximilian Sönning den Ball abfasste. Ein Kleukheimer lief zum Blocken an, blockte auch – aber das Leder sprang zurück ans Knie des Weichendorfer Innenverteidigers und von dort unhaltbar hoch rechts ins Netz.

Weichendorf lässt nichts anbrennen
Dass die Weichendorfer mit Dominik Wölfert einen Rückkehrer aus der Bezirksliga zur Halbzeit bringen konnten, zeigte gleich einmal die Tiefe der Bank an diesem Tag. Die Partie selbst war natürlich längst noch nicht entschieden, ein Kleukheimer Tor und alles wäre wieder offen. Insofern war beim SVW Priorität, die erste Viertelstunde ohne Gegentor zu überstehen. Und Kleukheim wollte natürlich
möglichst schnell den Anschluss. Tatsächlich aber konnten die Weichendorfer
innerhalb dieser ersten Viertelstunde sogar noch nachlegen. Zu verdanken hatten sie das in erster Linie dem Willen von Luis Lappus, der sich über links den Ball
eigentlich zu weit vorlegte, nachsetzte, ihn zurückeroberte und in die Mitte brachte. Dort stand Finn Gittel richtig und drückte den Ball aus kurzer Distanz zur 4:1-Führung über die Linie. Unmittelbar danach hatte der TSV Kleukheim die Chance, wieder nachzuziehen, als der unermüdliche Luca Hofmann über rechts durchkam und nach innen passte, aber der Abschluss von Kevin Popp ging aus 14 Metern über die Querlatte. Ob hier ein Treffer für den TSV am späteren Ausgang etwas geändert hätte, ist eher unwahrscheinlich, denn insgesamt standen die Weichendorfer
einfach zu kompakt und waren vor allem bei Umschaltaktionen immer wieder in der Lage, selbst für Gefahr zu sorgen. So musste Dietmar Schmuck nach ziemlich genau einer Stunde zwei Mal parieren, um einen höheren Rückstand zu verhindern. Mit
jeder Minute, die verstrich und die die Kleukheimer ihrem Rückstand hinterher
rennen mussten, stieg die Wahrscheinlichkeit auf das Weiterkommen des SVW. Der TSV gab zwar nicht auf und versuchte alles, aber die Weichendorfer hatten die Kontrolle und gaben sie bis zum Spielende auch nicht mehr her. Und so blieb es beim am Ende deutlichen 4:1-Sieg für den KK2-Zweiten, der sich damit die Chance offen hält, direkt wieder in die Kreisliga zurückzukehren.

Verdienter Weichendorfer Erfolg
Es war eine wilde Anfangsviertelstunde, die die zahlreichen Zuschauer zu sehen bekamen. Das dritte Weichendorfer Tor unmittelbar vor dem Seitenwechsel war dann eine Art Knackpunkt im Spiel. Der SVW bekam Sicherheit, agierte aus einem sehr stabilen defensiven Zentrum heraus dann abgeklärt und blieb nach vorne
immer gefährlich. Von Beginn an agierte die Mannschaft von Vertretungs-Coach Benjamin Stumpf sehr aggressiv gegen den Ball und ließ dem Gegner so kaum Ruhephasen oder Räume. Eine sehr geschlossene Mannschaftsleistung inklusive der Bankspieler. Der TSV Kleukheim steckte zwar in keiner Phase der Partie auf und ging an seine Grenzen – aber das reichte nach hinten raus gegen einen starken Gegner und nach dem Spielverlauf an diesem Tag nicht. Und so zieht Weichendorf eine Runde weiter, das nächste Spiel könnte schon die Rückkehr in die Kreisliga bringen. Für Kleukheim wird nach der ersten Enttäuschung die Erkenntnis als Trost bleiben, eine starke Runde gespielt zu haben.