Pettstadt ringt entkräftete Weichendorfer nieder

Quelle: anpfiff.info / Hendrik Kowalsky

In einer rassigen und brutal spannenden Relegationspartie setzte sich der SV Pettstadt mit 3:1 nach Verlängerung gegen den SV Weichendorf durch und erhält sich die Chance auf die Kreisliga. Dabei erzwang die Elf von Daniel Hollet nach verdientem Rückstand in der Nachspielzeit die Verlängerung, ehe dem aufopferungsvoll kämpfenden SVW in der Extrazeit die Puste ausging

Auf der Sportanlage des ASV Sassanfahrt sollte im Duell zwischen dem SV Pettstadt und dem SV Weichendorf der zweite Teilnehmer des Relegations-Endspiels ermittelt werden, in das die DJK Gaustadt bereits am Vortag mit einer bärenstarken Leistung einzog. Während der SVP von Trainer Daniel Hollet erst in dieser Runde in die Relegation einstieg, mussten die Weichendorfer bereits am vergangenen Sonntag im Walsdorfer Backofen eine Partie bestreiten. Erst nach Elfmeterschießen bezwang man den FC Röbersdorf und die Nachwehen dieses Kraftaktes spürte SVW-Trainer Manfred Drozd schon vor Spielbeginn. Zwar zeigte sich die Mannschaft „gut erholt, aber der Verlust des verletzten Michael Pfister schmerzt“. Den Druck und die Favoritenrolle sah der erfahrene Übungsleiter, der in dieser Partie an seine jahrelange Wirkungsstätte zurückkehrte, dabei eher auf Seiten Pettstadts. SVP-Trainer Daniel Hollet hingegen sah eine offene Begegnung auf Augenhöhe, in die seine Elf mit dem Rückenwind aus sieben Partien ohne Sieg gehen konnte. Doch auch die Weichendorfer haben solch eine Serie vorzuweisen und sind aktuell sogar seit neun Partien ungeschlagen. Und so durfte man sich neben einer großen Kulisse auf einen spannenden Relegationsabend freuen, in welchem zwei Teams mit Selbstvertrauen den nächsten Schritt in Richtung Kreisliga gehen wollen.

Weichendorf bestraft fahrige Pettstadter

Das Spiel hatte kaum begonnen, da feuerte der SVP den ersten Ball auf den Kasten der Weichendorfer, nach langem Ball von Tobias Lang scheiterte der links gestartete Kevin Pfeuffer aus acht Metern aber an Johannes Schuler im Kasten des SVW, der die kurze Ecke gut abdeckte. Schon früh entwickelte sich eine flotte Partie auf mäßigem fußballerischem Niveau, in dem beide Teams mit einfachen Mitteln schnell nach vorne zu spielen versuchten. Nach sieben Minuten kamen dann auch die nominellen Gäste zu ihrer ersten guten Gelegenheit, auf Zuspiel von Fabian Betz, der sich an der Strafraumgrenze stark behaupten konnte, ließ der aufgerückte Tobias Mehler aus zehn Metern aber die Großchance liegen und zielte knapp am linken Pfosten vorbei. Beim SV Pettstadt war von der gezeigten spielerischen Klasse der Vorwochen relativ wenig zu sehen, immer wieder wählte die in Weiß gekleidete Mannschaft von Trainer Daniel Hollet den langen Ball in die Spitze als geeignetes Mittel, biss sich an der ebenso kompakt wie sattelfest stehenden Weichendorfer Defensive aber die Zähne aus. Weichendorf hingegen ließ den SVP erstmal kommen und lauerte auf Kontergelegenheiten über die schnellen Außenbahnen, die mit der nominellen Spitze Fabian Betz häufig die Rollen tauschten und den Pettstadtern somit die Zuordnung erschwerten. Nach zwanzig Minuten kamen die Roten zu ihrer nächsten guten Gelegenheit und diesmal lag der Ball im Netz. Denn als Kapitän Tobias Mößner einen Abschlag von Torhüter Johannes Schuler gedankenschnell in den Lauf von Peter Hecht verlängerte, zog der aufgerückte Rechtsverteidiger in den Strafraum und schob aus zwölf Metern ins lange Eck zum 1:0 für Weichendorf ein! Ganz simpler Angriff, über drei Stationen wurde das Leder von Strafraum zu Strafraum und dann ins Tor getragen, so einfach kann Fußball sein. In der Folge zeigte sich die Hollet-Elf vom Rückstand durchaus geschockt, die Ballverleitung über das spielstarke Zentrum um Daniel Burgis und Spielführer Michael Rausch funktionierte nur bedingt und so stellte Pettstadt den SVW in dieser Phase kaum vor ernsthafte Prüfungen. Die Weichendorfer hingegen wirkten mit der Führung im Rücken recht souverän und behielten ihre bis dahin gut aufgegangene Taktik bei, ließen beim letzten Zuspiel in die Tiefe aber die nötige Genauigkeit vermissen. Erst in der Schlussphase des ersten Durchgangs kam der SVP wieder stärker auf und resultierend aus einem Eckball des eingewechselten Steffen Schwandner in der 36. Minute auch noch zu einer notierenswerten Torchance, Oscar Idarraga Sarrias Kopfball aus zehn Metern konnte jedoch noch vor der Linie entschärft werden. So blieb es dann auch bei der knappen Weichendorfer Führung und als der Halbzeitpfiff durch Schiedsrichter Daniel Reich ertönte, dürfte den 765 zahlenden Zuschauern klar geworden sein, dass Pettstadt mindestens eine Schippe drauflegen muss, um den Abstieg in die Kreisklasse noch zu verhindern.

Pettstadt drückt und trifft in der Nachspielzeit

Nach dem Seitenwechsel begann der SVP deutlich engagierter, der Kreisliga-Dreizehnte versuchte, mehr Tempo in die Offensivaktionen zu bekommen und mit gepflegtem Passspiel Lücken in der tief stehenden Weichendorfer Viererkette aufzureißen. In der 52. Minute konnte die Hollet-Elf ihre gesteigerten Bemühungen in eine gute Torgelegenheit ummünzen, nachdem der agile Christoph Opris auf der rechen Außenbahn eingesetzt wurde und nach starkem Dribbling für Steffen Schwandner quer legte, scheiterte der Knipser jedoch aus 17 Metern an Johannes Schuler. Die Weichendorfer ließen sich auch im Anschluss immer weiter in die eigene Hälfte drängen, zu selten sorgten die Roten noch für Entlastung, Fabian Betz und der eingewechselte Marvin Lessner sahen sich bei Konteraktionen des SVW häufig allein auf weiter Flur. So übernahm Pettstadt Stück für Stück die Kontrolle über das Geschehen, die ganz großen Torchancen blieben aber weiter aus. Allmählich schienen bei Weichendorf die Kräfte nachzulassen, Trainer Manfred Drozd reagierte nach 67 Minuten und brachte zwei frische Kräfte von der Bank, dennoch spielte sich das Geschehen mehr und mehr in der Hälfte der Roten ab. Zwanzig Minuten vor dem Ende sorgte dann eine kuriose Entscheidung von Schiedsrichter Daniel Reich für heiße Diskussionen abseits des Spielfeldes, zunächst entschied der Unparteiische nach einem Foul an Steffen Schwandner im Sechzehner auf Strafstoß, nahm diese Entscheidung nach langer Beratung mit seinem Assistenten und Vater Wolfgang Reich jedoch wieder zurück und entschied zum Entsetzen der Pettstadter auf Eckball. Wahrlich unglückliche Szene, die allenthalben fragende Gesichter zurück ließ und der allgemein aufkommenden Hektik eher zu- als abträglich war. Bald darauf brach die Schlussviertelstunde an und in dieser ging es für den SVW nur noch darum, den dünnen Vorsprung über die Zeit zu retten. Pettstadt schnürte die Weichendorfer immer tiefer in die eigene Hälfte ein und belagerte den Strafraum, noch aber hielt die Drozd-Elf stand und den eigenen Kasten sauber. So verstrich Minute um Minute, der Abstieg für Pettstadt schien unvermeidlich, Steffen Schwandner scheiterte fünf Minuten vor Ende mit einer Doppelchance und beinahe ging der Glauben bei den mitgereisten Anhängern verloren. Doch in der 92. Minute bot sich dem SVP nochmal eine Chance, direkt am linken Strafraumeck bekamen die Schwarz-Weißen einen Freistoß zugesprochen. Tobias Lang legte sich das Leder zurecht und tatsächlich sollte der Ausgleich noch fallen. Denn mit seinem wunderschönen Freistoß visierte Lang die rechte Ecke an und traf den Innenpfosten, von wo aus das Leder zum 1:1 in die Maschen segelte! Riesenjubel im Lager der der nominellen Gastgeber, der Abstieg war vorerst abgewendet, das Spiel wieder offen, geschockte Gesichter auf Seiten der Weichendorfer, die nur noch wenige Zeigerumdrehungen vom Relegationsfinale entfernt waren. Mit der letzten Aktion der Nachspielzeit hätte Weichendorf die Schlussphase dann beinahe völlig ausufern lassen, doch als der eingewechselte Jonathan Roth mit einem Schuss aus 18 Metern am glänzend parierenden SVP-Schlussmann Dominik Eberlein scheiterte, ertönte der Schlusspfiff und so ging die Partie also in die Verlängerung.

Weichendorf mit den Kräften am Ende

In der Verlängerung sollte sich am Spielgeschehen nicht großartig etwas ändern, der SVW war stehend k.o. und versuchten, sich ins Elfmeterschießen zu retten, während Pettstadt angetrieben von ihrem Trainer das zweite Tor und damit den Sieg vor der Lotterie vom Punkt suchte. Lange sollte die Weichendorfer Abwehrschlagt jedoch nicht gut gehen, zwar kam Fabian Betz nach einem langen Befreiungsschlag in der 97. Minute zu einer guten Konterchance und setzte seinen Heber nur knapp über das Pettstadter Gehäuse. Doch zwei Minuten später setzte Christoph Opris rechts Steffen Schwandner in Szene und nachdem der Angreifer den Ball scharf direkt vor das Tor des SVW brachte, fälschte Oliver Ohland den Ball unglücklich zum 2:1 für Pettstadt in den eigenen Kasten ab! Bitterer Gegentreffer für Weichendorf, doch es hatte sich mehr als angedeutet. Drei Minuten später sorgte SVP-Torschütze Tobias Lang dann nochmal für einen kleinen Hoffnungsschimmer aus Sicht der Drozd-Elf, sah er doch aufgrund einer Undiszipliniertheit die völlig unnötige Gelb-Rote Karte. Ändern sollte die numerische Unterzahl an der Pettstadter Dominanz aber nicht mehr viel, die Akkus der Roten war schlichtweg leer. Auch in der zweiten Hälfte der Verlängerung blieb die Rollenverteilung erhalten und während Weichendorf mit den letzten Körnern irgendwie zum Ausgleich zu kommen versuchte, erzwang das Team von Daniel Hollet in der 111. Minute die endgültige Entscheidung. Nach einem langen Abstoß landete der Ball beim startenden Kevin Pfeuffer, der schließlich von SVW-Keeper Johannes Schuler im Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht wurde, weshalb der Strafstoß für Pettstadt die unausweichliche Konsequenz darstellte. So legte sich Oscar Idarraga Sarria das Leder am Punkt zurecht und blieb ganz cool, mit einem Flachschuss ins rechte Eck traf Sarria zum 3:1 und machte damit endgültig den Deckel auf dieses Spiel! Die verbleibenden Minuten sollten dann auch nichts Nennenswertes mehr mit sich bringen, am Ende setzte sich der SV Pettstadt mit 3:1 durch und ist dem Abstieg in die Kreisklasse nochmal von der Schippe gesprungen. <br /> <br />Insgesamt ist der Sieg für den SVP sicher verdient, nach mäßiger erster Halbzeit, in der das mit hoher individueller Qualität bestückte Team nicht das Potenzial abrufen konnte, steigerte man sich im zweiten Durchgang und betrieb ab der Schlussphase ein hohes Powerplay, an dessen Ende der Last-Minute-Ausgleich und die Verlängerung stand. In dieser ließen die Pettstadter dann nicht locker und drängten auf den Sieg, welchen sie sich letztlich auch sicherten. Am kommenden Sonntag trifft also der SV Pettstadt in Hirschaid auf die DJK Gaustadt und spielt den letzten freien Platz in der Bamberger Kreisliga aus, um diese Aufgabe zu meistern, bedarf es jedoch einer konstanteren Darbietung, vor allem im spielerischen Bereich. Für den SV Weichendorf hingegen ist die aktuelle Spielzeit mit der bitteren Niederlage am heutigen Abend beendet, das Kapitel Aufstieg dürfte aber im kommenden Jahr erneut aufgeschlagen werden, die Neuzugänge machen jedenfalls Hoffnung auf mehr in der Saison 2017/2018.

Daniel Hollet (Trainer SV Pettstadt)

„Man muss heute ganz klar sagen, dass wir in der ersten Halbzeit nicht unser Potenzial abgerufen haben. Wir haben spielerisch heute nicht unser Niveau erreicht, uns auch trotz der Überlegenheit im zweiten Durchgang kaum klare Torchancen herausgespielt und nicht die richtigen Mittel gefunden, um Weichendorf gefährlich zu werden. So war der Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit dann natürlich glücklich, aufgrund unseres Drucks und der Steigerung im zweiten Durchgang aber verdient. In der Verlängerung hat man dann gesehen, dass Weichendorf platt war, das haben wir gut ausgenutzt und hoffen nun, am Sonntag den Klassenerhalt zu packen. Einfach wird es aber nicht, Gaustadt konnte seine starke Saison gestern bestätigten und geht sicher nicht als Außenseiter in die Partie.“

Oscar Idarraga Sarria (Spieler SV Pettstadt)

„Es war eine wechselhafte Saison, unsere Gemeinschaft war immer gut, aber besonders im ersten Halbjahr haben wir nicht die nötigen Punkte geholt. Nach der Winterpause haben wir unsere Qualitäten gezeigt und uns in die Relegation gespielt, in der wir natürlich hoffen, die Klasse halten zu können. Es war heute schwer, wir kamen nicht gut ins Spiel hinein, nur wenige unserer Spieler haben schon mal Relegation gespielt. Trotzdem haben wir uns am Ende durchgekämpft und denken ab jetzt nur noch an den kommenden Sonntag.“

Manfred Drozd (Trainer SV Weichendorf)

„Man hat heute wieder gesehen, dass die Relegation einfach abgeschafft gehört. Nach der brutalen Partie am Sonntag heute wieder antreten zu müssen, hat die Mannschaft über ihre Reserven hinaus belastet, am Spielverlauf konnte man das gut erkennen. Die Relegation ist einzig und allein Geldmacherei, darunter leiden wir nun zum wiederholten Male. Ich persönlich habe mich bei Tagungen dagegen ausgesprochen, trotzdem wurden wir heute wieder bestraft und stehen mit leeren Händen da.“

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